Kulturverein Goßfelden e.V.

KULTUR, WISSEN, GESPRÄCHE bei BANG

 

 

Johann Heinrich Christian Bang-Haus

Rossweg (neben der Kirche), Lahntal-Gossfelden

 

02. Februar 2015: Künstlerdorf Gossfelden

Ein Bildvortrag von Karl Heinz Görmar

Gossfelden wurde in der Zeit der Romantik von Ludwig Emil Grimm, dem jüngsten Bruder der Märchenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm "künstlerisch entdeckt". L. E. Grimm, der um 1824 mit Gerhard Wilhelm von Reutern die Künstlerkolonie Willingshausen gegründet hatte und seitdem auch immer wieder mal dort war, kam in 1829 - vermutlich auf Empfehlung seiner älteren Märchenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm - nach Gossfelden, um den Pfarrer Johann Heinrich Christian Bang, einen Freund seiner Brüder und Mitglied des ehemaligen Romantikerkreises Marburg um Friedrich Carl von Savigny zu besuchen. In Gossfelden schuf er eine Porträtzeichnung von J.H.C. Bang und Radierungen "Aus Gossfelden bei Marburg", auf denen drei junge Frauen abgebildet sind. So war Gossfelden über L.E. Grimm bei den Willingshäuser Künstlern bekannt. L.E. Grimm wurde 1832 Professor an der Kasseler Kunstakademie.


Es vergingen dann doch einige Jahre, bis der Frankfurter Maler Johann Heinrich Hasselhorst, anfangs der Künstlerkolonie Willingshausen zugehörig, später aber - neben dem Frankfurter Umland - mehr in Alsfeld unterwegs, in 1881 in Gossfelden war. Von ihm stammt das bekannte Gemälde "Gossfelden", das einen Blick vom Scheidt über das Dorf darstellt. Hasselhorst war zwischenzeitlich Dozent am Städel. Otto Ubbelohde, zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt, war als Schüler schon zeichnend in und um Marburg unterwegs. Für Gossfelden, als neue Heimat, hat er sich 1897/98 gemeinsam mit seiner Frau Hanna entschieden, sie hatten 1897 in Bremen geheiratet. Ubbelohde, der seine künstlerische Ausbildung in München u.a. bei Karl Raupp - der mit seinen Malschülern (vor Ubbelohde) auch in Willingshausen war - erhielt, lernte in München (u.a.) Hans am Ende kennen, der mit Fritz Mackensen und Otto Modersohn in 1889 die Worpsweder Malerkolonie gründete. In den Jahren 1889 bis 1895 war Ubbelohde dreimal in Worpswede - wohl aber auch deswegen, um im nahe gelegenen Bremen seine Cousine Hanna (die er später heiratete) zu besuchen. Der Aufenthalt in Worpswede war nicht konfliktfrei und so hat sich Ubbelohde wieder seiner Heimat, dem Marburger Land zugewandt.


Er hat sich mit seiner Frau in Goßfelden in den Lahnauen - er mochte die Weite der Landschaft, die ihn an Norddeutschland erinnerte - ein Haus gebaut und sich dort niedergelassen. Und hier entstanden zwischen 1900 und 1922, seinem Todesjahr, seine wichtigsten Werke. Dazu gehören die Illustrationen der Grimmschen Märchen und Sagen, u.a. mehrere Mappen von und um Marburg und von deutschen Städten und Landschaften, Illustrationen von Lieder- und Kinderbüchern und Gemälde und Stiche. Auch Goßfelden hat er in vielen Bildern - Zeichnungen, Stichen und Gemälden - festgehalten. Auch hat sich Ubbelohde der Tracht gewidmet. Zu den Willingshäusern Künstlern hatten Otto und Hanna Ubbelohde ein freundschaftliches Verhältnis. Sie besuchten sich gegenseitig.


Ubbelohdegrab kleinUbbelohde wurde auf dem Friedhof Goßfelden beerdigt. Sein Sandsteingrab ist mit einem Relief versehen, das von Theodor von Gosen entworfen wurde. Seit 1901 hatte Ubbelohde in den Sommerferien auch Malschüler und -schülerinnen. Der im Ort bekannteste Malschüler war Albert Wigand aus Ziegenhain. Er wohnte von 1913 bis 1923 (also über Ubbelohdes Tod hinaus) - nur unterbrochen durch den 1. Weltkrieg - in Gossfelden und zwar bei der Familie Fey im Wolfsgraben. Er hat - in seiner Gossfeldener Zeit - überwiegend Stillleben gemalt, aber es sind auch Gemälde von Gossfelden von ihm bekannt. Er zog dann fort und ist in Dresden noch recht berühmt geworden.


In 1932 zog Dr. Franz Frank mit seiner Familie im Ubbelohde-Haus in Gossfelden ein. Hanna Ubbelohde hatte - 10 Jahre nach dem Tod Ihres Mannes - dem Künstlerkollegen, der aufgrund der Brüningschen Sparmaßnahmen seine Stelle an der Kasseler Kunstakademie (bei der auch L.E. Grimm war) verloren hatte, gerne Wohnraum und Arbeitsmöglichkeit gegeben. Da Frank aber zu den "entarteten Künstlern" im 3. Reich gehörte, hatte er es schwer, Aufträge zu bekommen. Dennoch war er künstlerisch sehr aktiv. Zu den Werken seiner "Gossfeldener Zeit" gehören Porträts, z.B. von Frau Rösser und Frau Ubbelohde. Insbesondere nach dem Krieg war er immer wieder in Gossfelden und Sarnau unterwegs und hat Ortsansichten zeichnerisch festgehalten. In den Jahren 1946 und 1949 hat er zwei große Gemälde geschaffen, die in den Kirchen Sarnau und Gossfelden hängen. Zum Grenzgangfest 1953 hat er die Festschrift mit drei Gossfelder Motiven bereichert. Eines davon bildet bis heute die Titelseite der Festschriften der alle 7 Jahre wiederkehrenden Grenzgangfeste. In 1954 ist er mit seiner Familie nach Marburg in ein neu erbautes Haus umgezogen.


Von etwa 1949 bis zu seinem Tod in 1965 lebte Ludwig Scharf in Goßfelden. Er stammte aus Münster und kam über Nord-Baden nach hier. Sehr gerne zeichnete er Uniformen, aber er hat auch viele Ortsansichten von den Orten gezeichnet, in denen er wohnte, so auch von Gossfelden. Am bekanntesten ist seine Zeichnung von der Gossfeldener Kirche, die 1949 und 1999 die Hefte "200 Jahrfeier" bzw. "250 Jahrfeier" der Gossfelder Kirche schmückte. Auch hat er die Göttinger Wetschaftsbrücke und die Sarnauer Schule im Bild festgehalten. Letzteres ist auf dem Buch "Sarnau - Alte Hausnummern, Familien- und Dorfnamen" abgedruckt.


Seit 1979 lebt Frau Antje Michael als freischaffende Bildhauerin unter uns. Die in Salzburg geborene Künstlerin gestaltet Skulpturen für den Wohn- und Gartenbereich, Porträtköpfe und Tierplastiken in Terrakotta und Bronze. Außerdem schreibt sie Märchen für Erwachsene, diese hat sie in zwei Kunstmappen und einem Buch veröffentlicht.

 

Gossfelden hatte und hat daneben viele Hobbykünstler. Der größere Teil davon gehört zu den "Hobbykünstlern Gossfelden", einem Verein, der im Jahr 1985 von Dagmar Becker gegründet wurde. Bei dem Vortrag werden einige Hobbyküstler und deren Werke vorgestellt. Die Hobbykünstler Gossfelden richteten 30 Jahre lang von 1985 bis 2015 jedes Jahr Anfang November einen Kunstmarkt aus, bei dem verschiedenste Werke angeboten wurden; insbesondere für die Advents- und Weihnachtszeit konnte man hier Besonderes finden.